(ET2-17) Der Maschensatz / Maschenregel – 2. Kirchhoffsche Regel

Inhaltsverzeichnis

Nachdem du bereits den Knotensatz kennengelernt hast, betrachten wir nun als zweites Kirchhoff’sches Gesetz den Maschensatz (Maschenregel)

 


Für ein optimales Verständnis helfen dir drei ausführliche Videoclips und zwei anschauliche Rechenbeispiele zu dem Thema.


 


Maschensatz (Maschenregel) – Grundlegendes


Diese zweite Regel von Kirchhoff findest du in der Literatur auch nicht selten unter dem Begriff Maschenregel. Neben dem Ohmschen Gesetz eignen sich die Regeln von Kirchhoff besonders gut um einfache bis mittelkomplizierte Netzwerke zu lösen. 

“Der Maschensatz von Kirchhoff hilft elektrische Spannungen innerhalb einer Masche in einem Gleichstromnetzwerk zu bestimmen.”

 

Maschensatz nach Kirchhoff
Maschensatz nach Kirchhoff

 


Maschensatz (Maschenregel) – Spannungen


Der Maschensatz von Kirchhoff hilft dir elektrische Spannungen innerhalb einer Masche in einem Gleichstromnetzwerk zu bestimmen.

 

Du hast bereits Maschen in einem vorangegangenen Abschnitt kennengelernt. Jeder geschlossene Stromumlauf gilt als Masche M . Deshalb ist der einfache Grundstromkreis im Grunde auch nichts anderes als eine Masche.

In der nächsten Abbildung siehst du eine Masche.

Die erforderlichen Zählpfeile und der Maschenumlaufsinn sind bereits eingetragen worden.

 

Maschensatz nach Kirchhoff
Maschensatz nach Kirchhoff

 

Allein aus dieser Abbildung kannst du dir als Techniker ableiten viel ableiten. Demnach gilt, dass Summe alles Spannungen innerhalb einer Masche muss null sein. Und dabei ist es egal ob es sich um erzeugte oder verbrauchte Spannungen handelt.

  • Erzeugte Spannungen treten an den Spannungsquellen auf

sowie

  • Verbrauchte Spannungen treten an den Verbrauchern (Widerständen) auf.

 


Kernaussage des 2. Kirchhoff’schen Gesetzes (Maschenregel)


Diese Aussage ist nichts anderes als der Maschensatz, bzw. die 2. Kirchhoff’sche Regel.

 

Merk's dir!
Merk's dir!

Ausgehend von einer Masche gilt, dass die Summe der Energieänderungen aller Spannungsquellen gleich der Summe der Energieänderungen an den Verbrauchern ist.

 

Das bedeutet zeitgleich, dass die Summe aller umgesetzten Energie dem Wert null entspricht.

 

Fassen wir noch ein mal in Bezug auf Spannungen zusammen. Die Aussage der 2. Kirchhoff’schen Regel ist:

 

„Bei einem Umlauf entlang der Zweige einer Masche ist die Summe aller Spannungen gleich null. “

 


Rechnen mit dem Maschensatz (Maschenregel)


Aus mathematischer Sicht können wir eine Formel erstellen, die diesen Gedanke aufgreift: 

 

 \boxed{\sum_{i =1}^n   U_i  = 0 }          2. Kirchhoff’sches Gesetz

 

Maschensatz nach Kirchhoff
Maschensatz nach Kirchhoff

 

Beziehen wir uns auf unser obiges Beispiel, so sind die Gleichungen für beide Formulierungen:

 

 \boxed{U_1 +U_{i2} - U_{i1} + U_1 + U_4 + U_3 = 0 }

 

Falls du einmal eine bestimmte Spannung bei Kenntnis der anderen Spannungen nach dem Maschensatz ermitteln sollst, wie beispielsweise U_1, so reicht es vollkommen aus, wenn du die Gleichung entsprechend nach U_1 auflöst.

Dieser Vorgang gelingt dir indem du alle anderen Spannungen auf die andere Seite überführst, so wie nachfolgend geschehen:

 

 \boxed{U_1 +U_{i2} - U_{i1} + U_4 + U_3 = U_1 }

 


Fazit zum Maschensatz (Maschenregel)


 

Merk's dir!
Merk's dir!

Beachte bitte bei Berechnung auf eine Einheitlichkeit. Alle Spannungen sollten entweder positiv oder negativ in die Berechnung eingehen. Egal wie du deine Auswahl triffst, denke daran, dass dazu entgegengesetzten Spannungen immer auch das entgegensetzte Vorzeichen erhalten müssen.

 

In der Abbildung wurden Zählpfeile verwendet, damit für dich direkt und eindeutig klar ist, welche Eigenschaft (zu/ab) eine Spannung aufweist. In vielen Fällen verwendet der Techniker für die Quellenspannung ein positives Vorzeichen und die anderen Spannungen ein negatives Vorzeichen.

 


Rechenbeispiel zum zweiten Kirchhoff’schen Gesetz (Prüfungsniveau)


Jetzt folgt ein ausführliches Beispiel zur Bestimmung von Strömen mit Hilfe des Maschensatzes und unter Anwendung des Substitutionsverfahrens in drei Teilen.

 

Du kannst jeden dieser Teile der Lösung sowohl als Videoclip verfolgen oder wenn du lieber liest, dann steht dir dafür die ausführliche Lösung in Textform immer unter dem Video zur Verfügung. 

 

undefiniert
Beispiel 1: Bestimme die Ströme mit dem Maschensatz

Dir ist folgendes Netzwerk gegeben:

 

Maschensatz - Beispiel
Maschensatz – Beispiel

 

Dein Aufgabe ist es die 4 Ströme I_1, I_2, I_3 sowie I_4 zu berechnen. 

Gegeben sind dir die folgenden Angaben:

 \boxed{ U_1 = 75 V}

 \boxed{U_2 = 90 V}

 \boxed{R_{i1} = 2,1 \Omega }

 \boxed{R_{i2} = 2,8 \Omega }

 \boxed{R _3 = 140 \Omega }

 \boxed{R_4 = 120 \Omega }

 

 

 


++ Lösung Teil 1: Videoclip ++


 

 


Lösung Teil 1: Text


Sowohl die Zählpfeile der Ströme und auch der Umlaufsinn der Maschen sind im der Abbildung angegeben.

Für die Lösung benötigen wir insgesamt 4 Gleichungen:

(1) Knotenpunkt B:  \boxed{ I_1 + I_2 - I_3 - I_4 = 0 }

(2) Masche I:  \boxed{U_1 - U_{i1} + U_{i2} - U_2 = 0 }

(3) Masche II:  \boxed{U_2 - U_{i2} - U_3 = 0 }

(4) Masche III:  \boxed{U_3 - U_4 = 0 }

 

Damit wir auch mit den richtigen Größen unsere Lösung bewältigen können, verwenden wir das Ohmsche Gesetz und wende es da wo es möglich ist an um die Spannungen als Produkt aus Widerstand und Strom anzugeben:

 

(1)  \boxed{I_ 1 + I_2 - I_3 - I_4 = 0 }

(2) \boxed{ - R_{i1}I_1 + R_{i2} = U_2 - U_1 } 

(3)  \boxed{-R_{i2}I_2 - R_3I_3 = -U_2 }

(4)  \boxed{R_3I_3 - R_4I_4 = 0 }

 

Ein solches Gleichungssystem mit vier unbekannten kann man unterschiedlich lösen. Du kannst die Additionsmethode, den Gaußschen Algorithmus, Determinanten oder das Substitutionsverfahren verwenden. Wir entscheiden uns hier für das Substitutionsverfahren. 

 

Im Lösungsteil 2 passen wir unsere Gleichungen so an, dass wir damit wir mit Zahlenwerten rechnen können. 


++ Lösung Teil 2: Videoclip ++


 

 


Lösung Teil 2: Text 


Für das Gleichungssystem verwenden wir folgenden Lösungsweg.

1 – Wir multiplizieren die Gleichung (1) mit R_{i1} und addieren sie mit der Gleichung (2). Als Ergebnis erhalten wir die Gleichung (2′). Die beiden anderen Gleichungen rühren wir nicht an und nehmen sie unverändert mit zu nächsten Rechenschritt:

(1)  \boxed{R_{i1}I_ 1 + R_{i1}I_2 - R_{i1}I_3 - R_{i1}I_4 = 0 }

(2) \boxed{- R_{i1}I_1 + R_{i2} = U_2 - U_1 } 


(2′)

 \boxed{(R_{i1} + R_{i2})I_2 - R_{i1}I_3 - R_{i1}I_4 = U_2 - U_1 }

(3)  \boxed{-R_{i2}I_2 - R_3I_3 = -U_2}

(4)  \boxed{R_3I_3 - R_4I_4 = 0 }

 

2 – Jetzt ersetzen wir I_4 in der Gleichung (2′) durch I_3 ausgehend von Gleichung (4)

(4)  \boxed{R_3I_3 = R_4I_4 }

(4′)  \boxed{I_4 = \frac{R_3}{R_3}I_3 }

Einsetzen von (4′) in (2′) ergibt

(2′)  \boxed{(R_{i1} + R_{i2})I_2 - R_{i1}I_3 - R_{i1}\frac{R_3}{R_3}I_3 = U_2 - U_1 }

(3)  \boxed{-R_{i2}I_2 - R_3I_3 = -U2 }

 

3 – Jetzt ersetzen wir I_3 in der Gleichung (2′) durch I_2 ausgehend von Gleichung (3) und lösen diese anschließend nach I_2 auf.

 \boxed{R_3I_3 = U_2 - R_{i2}I_2 }

(3′)  \boxed{ I_3 = \frac{U_2}{R_3} - \frac{R_{i2}}{R_3}I_2 }

Einsetzen von (3′) in (2′)

(2′)  \boxed{ (R_{i1} + R_{i2})I_2 - \frac{R_{i1}}{R_3}U_2 + \frac{R_{12}R_{i1}}{R_3}I_2 - \frac{R_{i1}}{R_4}U_2 + \frac{R_{i1}R_{i2}}{R_4}I_2 = U_2 - U_1 }

jetzt klammern wir auf der linken Seite I_2 aus und klammen zusätzlich U_2 aus um es anschließend auf die rechte Seite der Gleichung zu überführen.

(2′)  \boxed{ I_2 (R_{i1} + R_{i2} + \frac{R_{i1}R_{i2}}{R_3} + \frac{R_{i1}R_{i2}}{R_4}) = U_2 (1 + \frac{R_{i1}}{R_3} + \frac{R_{i1}}{R_4}) - U_1 }

 

 

Jetzt wo unsere Gleichung angepasst sind, können wir im Lösungsteil 3 damit beginnen die uns gegebenen Zahlenwerte einzusetzen und weiter zusammen zu fassen. 



++ Lösung Teil 3: Videoclip ++


 

 


Lösung Teil 3: Text


1- Jetzt setzen wir die Zahlenwerte ein und lösen nach I_2 auf.

(2′)  \boxed{ I_2 (2,1 \Omega + 2,8 \Omega + \frac{2,1 \cdot 2,8}{140}\Omega + \frac{2,1 \cdot 2,8}\Omega = 90 V ( 1 + \frac{2,1}{140} + \frac{2,1}{12}) - 75 V }

Jetzt noch weiter zusammenfassen.

(2′)  \boxed{ I_2 (2,1 + 2,8 + 0,042 + 0,049) \Omega = 90 V (1 + 0,015 + 0,0175) - 75 V }

Auflösen nach I_2 liefert uns:

 \boxed{I_2 \cdot 4,99 \Omega = 17,9 V }

 \boxed{I_2 = \frac{17,9 \Omega}{4,99 V} = 3,59 A } 

 

2 – Als nächstes bestimmen wir den Teilstrom I_3 unter Kenntnis von I_2 und unter Hinzunahme von Gleichung (3′)

(3′)  \boxed{ I_3 = \frac{U_2}{R_3} - \frac{R_{i2}}{R_3}I_2 }

(3′)  \boxed{I_3 = \frac{90 V}{140 \Omega} - \frac{2,8}{140} \cdot 3,59 A }

Ausrechnen ergibt für I_3

 \boxed{I_3 = 0,644 A - 0,0718 A = 0,5722 \approx 0,57 A }

 

3- Im vorletzten Schritt bestimmen wir nun den Teilstrom I_4 mit der Kenntnis von I_3 mit Hilfe von Gleichung (4′)

(4′)  \boxed{ I_4 = \frac{R_3}{R_4}I_3 }

(4′)  \boxed{ I_4 = \frac{140}{120} \cdot 0,57 A }

Ausrechnen ergibt für I_4

 \boxed{I_4 = 0,665 A }

 

4 – Im letzten Schritt berechnen wir nun noch den Teilstrom I_1 und nehmen dafür ganz elegant die Gleichung 1 (Knotenpunktgleichung), denn die anderen Ströme kennen wir ja bereits:

(1)  \boxed{I_1 = I_3 + I_4 - I_2 }

(1)  \boxed{I_1 = 0,57 A + 0,655 A - 3,59 A}

Ausrechnen ergibt für I_1

 \boxed{I_1 = -2,355 A \approx - 2,36 A }

 

Upsala… Was ist denn das? der Strom I_1 ist negativ? Was bedeutet das? – Es bedeutet, dass er im Schaltplan unseres Netzwerkes falsch eingezeichnet und korrekterweise gespiegelt werden muss. 

Maschensatz - Schaltplan (korrigiert)
Maschensatz – Schaltplan (korrigiert)

 

 


++ Lösung im Gesamtclip ++


Nachfolgend findest du noch mal die drei Clips zusammengefasst in einem Gesamtclip:

 

 

 



wie gehts weiter
Wie geht's weiter?

So nachdem du jetzt den Maschensatz kennengelernt hast, erklären wir dir im nächsten Kurstext ausführlich die Spannungsteilerregel.

 

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