In diesem Kurstext erklären wir dir die komplexe Leistung, sowie die Formen von Wirkleistung, Scheinleistung und Blindleistung.

Komplexe Leistung – Grundlagen
“Die komplexe Leistung
ist wie die komplexe Spannung oder die komplexe Stromstärke eine Rechengröße der Wechselstromtechnik. Sie fasst verschiedene Leistungskennwerte bei einem Wechselstrom zu einem Wert zusammen.”
Der errechnete Wert ist dann auch konform mit der Symbolischen Methode der komplexen Wechselstromrechnung. Denn es handelt sich bei dem Wert der komplexen Leistung um eine komplexe Zahl.
Komplexe Leistung – Problematik
Es zeigt sich, dass die komplexe Wechselstromtechnik lediglich für lineare Rechenoperationen anwendbar ist. Soll hingegen eine Multiplikation von komplexer Spannung und komplexen Strom erfolgen funktioniert die Rechnung nicht mehr sinnvoll.
Denn, anders als die Momentanleistung (errechnet aus dem Produkt von ) oder die Scheinleistung (errechnet aus dem Produkt von
) hat das Produkt
ebenso wie das Produkt der komplexen Effektivwerte
keine sinnvolle Verwendung für uns.
Falsche Vorgehensweise:
Im Normalfall würde man davon ausgehen, dass nachfolgendes Produkt zur richtigen Ergebnis führt. Stellt man diese Gleichung jedoch in der Polarform dar, so ist direkt ersichtlich, dass der Phasenwinkel der Leistung der Summe von
entspricht. Die Gesamte Gleichung sähe dann wie folgt aus:
– Leider ist dies nicht korrekt. Denn als Phasenwinkel muss die Differenz erscheinen mit
Richtige Vorgehensweise:
Multipliziert man jetzt aber die komplexe Spannung nicht mit dem komplexen Strom sondern mit einen konjugiert komplexen Strom, so führt das dazu, dass sich die zeitabhängigen Bestandteile sowie
gegenseitig aufheben. Dadurch geht nur die gegenseitige Phasenverschiebung in die Berechnung ein.
Komplexe Leistung – Definition
Jetzt zeigen wir dir, dass man die komplexe Leistung über unterschiedliche Wert ermitteln kann.
Produkt aus komplexen Effektivwert der Spannung und konjugiert komplexen Effektivwert des Stroms
Ausgehend von der obigen Problematik können wir für die Definition der komplexen Leistung festhalten, dass sich aus dem Produkt aus dem komplexen Effektivwert der Spannung
und dem konjugiert komplexen Effektivwert des Stroms
errechnet. Formal sieht das dann wie folgt aus:
oder ausgeschrieben:
Halbes Produkt aus komplexer Amplitude der Spannung und konjugiert komplexer Amplitude des Stroms
Dabei zeigt sich, dass die Amplituden um größer sind als die Effektivwerte. Aus diesem Grund entspricht die komplexe Leistung dem halben Produkt aus komplexer Amplitude der Spannung und konjugiert komplexer Amplitude des Stroms. Das äußert sich formal wie folgt:
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ \underline{S} = \frac{\underline{\hat{u}} \cdot \underline{\hat{i}}}{2} }
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ \underline{S} = (U \cdot e^{+ j \cdot \varphi_u}) \cdot (I \cdot e^{i j \cdot \varphi_i}) }
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ \underline{S} = U \cdot I \cdot e^{j \cdot (\varphi_u – \varphi_i)} }
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ \underline{S} = U \cdot I \cdot ( cos(\varphi_u – \varphi_i) + j \cdot sin(\varphi_u – \varphi_i)}
\varphi = \varphi_u – \varphi_i
S = U \cdot I
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ \underline{S} = U \cdot I \cdot e^{j \cdot (\varphi_u – \varphi_i)} \longrightarrow \underline{S} = S \cdot e^{j \cdot (\varphi_u – \varphi_i)} }
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ \underline{S} = S \cdot e^{j \cdot (\varphi_u – \varphi_i)} \longrightarrow \underline{S} = S \cdot e^{j \cdot \varphi} }
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ \underline{S} = S \cdot e^{j \cdot \varphi} \longrightarrow \underline{S} = S \cdot (cos \varphi + j sin \varphi) }
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ \underline{S} = P + j \cdot Q }
![Rendered by QuickLaTeX.com <blockquote> [intense_icon source="captain-icon" type="021" size="3" color="#0951ed"] <strong>"Hier zeigt sich, dass die drei bekannten Kenngrößen der Leistung (Wirkleistung, Blindleistung und Scheinleistung) aus der Wechselstromtechnik mit der komplexen Leistung in Verbindung stehen"</strong> </blockquote> <hr /> <h3><em><strong>Komplexe Leistung - Realteil (Wirkleistung)</strong></em></h3> <hr /> Die Wirkleistung](https://technikermathe.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-4000c990beb2ea1890bb00eaddaab227_l3.png)
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ P = Re \underline{S} }
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ P = S \cdot cos \varphi}
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ P = U \cdot I \cdot cos \varphi}

\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ Q = Im \underline{S} }
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ Q = S \cdot sin \varphi}
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ Q = U \cdot I \cdot sin \varphi}

\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ S = |\underline{S}| = U \cdot I = \sqrt{P^2 + Q^2}}
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ S = \sqrt{(S \cdot cos \varphi)^2 + (S \cdot sin \varphi)^2} }
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{S = \sqrt{S^2 \cdot (( cos \varphi)^2) + ( sin \varphi)^2)}}
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ S = \sqrt{(U \cdot I)^2 \cdot (( cos \varphi)^2) + ( sin \varphi)^2)} }
![Rendered by QuickLaTeX.com <hr /> <h2><em><strong>Komplexe Leistung - Darstellung im Zeigerbild</strong></em></h2> <hr /> In der komplexen Ebene bilden die Leistungsgrößen ein Dreieck. Dabei liegt die Wirkleistung P in der reellen Achse und die Blindleistung in der gleichen Richtung wie die imaginäre Achse. [caption id="attachment_21336" align="alignnone" width="1280"]<img class="wp-image-21336 size-full" src="https://technikermathe.de/wp-content/uploads/2020/12/ET5-20-Ohmsches-Gesetz-im-komplexen-bereich-2-1.jpg" alt="Komplexe Leistung - Zeigerdiagramm" width="1280" height="720" /> Komplexe Leistung - Zeigerdiagramm[/caption] <hr /> <h2><em><strong>Komplexe Leistung - Beispiel</strong></em></h2> <hr /> [su_box title="undefiniert" box_color="#f7f30c" title_color="#f7f30c" radius="5"] [su_service title="Beispiel: Amplituden " icon="icon: hand-peace-o" icon_color="#f7f30c"] Jetzt rechnen wir die <strong>komplexe Leistung</strong> unter Angabe der Amplituden für die Spannung und den Strom aus und bestimmen zusätzlich die <strong>Wirkleistung</strong> und die <strong>Blindleistung</strong>. [/su_service] [/su_box] <hr /> <h3><em><strong>Aufgabenstellung</strong></em></h3> <hr /> Gegeben sind uns folgende Werte:](https://technikermathe.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-b8f048df46d4c53717ce164654d0d582_l3.png)
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ \hat{i} = 8 A }
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ \varphi_u = – 30 ^{\circ} }
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ \varphi_i = 0 ^{\circ} }


\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ \underline{S} = 40 VA \cdot (cos(-30^{\circ}) + j \cdot sin(-30^{\circ})) \approx 34,64 W – j \cdot 20 var }
P = 34,64 W
Q = -20 var
![Rendered by QuickLaTeX.com [Voltampere reactive] <hr /> <h2><em><strong>Komplexe Leistung an passiven Zweipolen</strong></em></h2> <hr /> Jetzt untersuchen wir zwei unterschiedliche Fälle, bei denen uns <ol> <li><strong>Werte von Stromstärke, Impedanz oder Admittanz vorliegen</strong></li> <li><strong>Werte von Spannung, Impedanz oder Admittanz vorliegen</strong></li> </ol> Im Anschluss folgen dann noch die <strong>Gleichungen</strong> von <strong>Blindleistung</strong>, <strong>Scheinleistung</strong> und <strong>Wirkleistung</strong> für den <strong>passiven linearen Zweipol</strong> <hr /> <h3><em><strong>Stromstärke, Impedanz oder Admittanz</strong></em></h3> <hr /> Ist ein linearer passiver Zweipol gegeben und liegen uns dazu die Werte von Stromstärke, Impedanz oder Admittanz vor, so können wir unter zur Hilfenahme des Verbrauchspfeilsystems mit](https://technikermathe.de/wp-content/ql-cache/quicklatex.com-d32c48185fb207e59a63471580c3e8ef_l3.png)
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{\underline{S} = \underline{Z} \cdot I^2 = \frac{I^2}{\underline{Y}} = \frac{\underline{Z} \cdot \hat{i}^2}{2} = \frac{\hat{i}^2}{2 \underline{Y}} }

\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{\underline{S} = \underline{Y}^{*} \cdot U^2 = \frac{U^2}{\underline{Z}^{*}} = \frac{\underline{Y}^{*} \cdot \hat{u}^2}{2} = \frac{\hat{u}^2}{2 \underline{Z}^{*}} }

\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ Q = Im \ \underline{S} = I^2 \cdot Im \ \underline{Z} = – U^2 \cdot Im \ \underline{Y} = \frac{\hat{i}^2}{2} \cdot Im \ \underline{Z} = – \frac{\hat{u}^2}{2} \cdot Im \ \underline{Y} }
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ S = |\underline{S}| = I^2 \cdot | \underline{Z} | = U^2 \cdot |\underline{Y}| = \frac{U^2}{|\underline{Z}|} = \frac{I^2}{|\underline{Y}|} = \frac{\hat{i}^2}{2} \cdot |\underline{Z}| = \frac{\hat{u}^2}{2} \cdot |\underline{Y}| = \frac{\hat{u}^2}{2 \cdot |\underline{Z}} = \frac{\hat{i}^2}{2 \cdot |\underline{Y}}}

Re \ \underline{a} = \frac{1}{2} (\underline{a} + \underline{a}^*)
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ p(t) = (\frac{1}{2} ( \underline{u} + \underline{u}^*) \cdot (\frac{1}{2} \underline{i} + \underline{i}^*) }
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{p(t) = (\frac{1}{4} (\underline{u} + \underline{u}^*) \cdot (\underline{i} + \underline{i}^*) }
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ p(t) = \frac{1}{4} (\underline{u} \cdot \underline{i}^* + \underline{u}^* \cdot \underline{i} + \underline{u} \cdot \underline{i} + \underline{u}^* \cdot \underline{i}^*)}
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ p(t) = \frac{1}{2} Re \ (\underline{u} \cdot \underline{i}^* + \underline{u} \cdot \underline{i}) = \frac{1}{2} Re \ ( \hat{u} \cdot \hat{i} \cdot e^{j (\varphi_u – \varphi_i)} + \frac{1}{2} Re ( \hat{u} \cdot \hat{i} \cdot e^{j (2 \cdot \omega \cdot t + \varphi_u + \varphi_i)} }

\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ p(t) = Re \ (\underline{U} \cdot \underline{I}^* + \underline{U} \cdot \underline{I} \cdot e^{j \cdot 2 \cdot ( \omega \cdot t + \varphi_i)} }
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ p(t) = Re [\underline{U} \cdot \underline{I}^* ( 1 + e^{j \cdot 2(\omega \cdot t + \varphi_i)})] }
\quicklatex{color=”#1ccc0c” size=25} \boxed{ p(t) = Re [\underline{S} ( 1 + e^{j \cdot 2(\omega \cdot t + \varphi_i)})] }}$
Diese Gleichung hat den Vorteil, dass wir die Momentanleistung bestimmen können, ohne auf die Additionstheoreme der Kreisfunktionen zurückgreifen zu müssen.
Was gibt es noch bei uns?
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Interaktive Übungsaufgaben
Quizfrage 1
Wusstest du, dass unter jedem Kursabschnitt eine Vielzahl von verschiedenen interaktiven Übungsaufgaben bereitsteht, mit denen du deinen aktuellen Wissensstand überprüfen kannst?
Auszüge aus unserem Kursangebot
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